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Kaiserschnitt auf dem Vormarsch

Kürzlich meldete ein Zeitungsartikel, dass inzwischen jedes dritte Baby, das in Deutschland geboren wird, per Kaiserschnitt zur Welt kommt. Oder sollte man lieber sagen, auf die Welt geholt wird? Denn das Baby muss erst einmal nichts machen außer rechtzeitig mit dem selbstständigen Atmen anzufangen. Dann beginnt das Leben und von da an läuft eigentlich alles genauso wie sonst auch. Und doch ist die Geburt per Kaiserschnitt umstritten.

Sectio caesarea

Der medizinische korrekte Name für den Kaiserschnitt \"sectio caesarea\" geht auf die Geburt des römischen Kaisers zurück, der als erster nicht auf natürlichem Wege auf die Welt kam, sondern aus dem Mutterleib heraus geschnitten wurde. Zu damaligen Zeiten war diese große Bauchoperation noch ein gewaltiges Risiko für Mutter und Kind und viele Frauen überlebten die Operation auch in den folgenden Jahrhunderten nicht. Allerdings hätten sie den Stillstand der natürlichen Geburt wohl auch nicht überlebt. Inzwischen ist der Kaiserschnitt eine Option geworden. Und während der Trend eine Zeitlang hin zum Wahl-Kaiserschnitt auf Wunsch der Mütter ging, weil das angeblich schonender für den Körper der Frau sein sollte, ist es inzwischen eher die Wahl der Ärzte, die als Erklärung für die steigenden Zahlen der Kaiserschnittgeburten in deutschen Kliniken dienen kann.

Hohe Versicherungssummen

Für einen Arzt ist jede Entbindung ein Risiko für seinen Beruf geworden. Hunderte von Ärzten wurden verklagt, wenn bei der Geburt für Mutter oder Kind etwas schief lief. Sowohl bei Kleinigkeiten als auch bei größeren Beeinträchtigungen wird gerne ein Schuldiger gesucht. Auch Hebammen, die eigentlich als Verfechterinnen der natürlichen und sanften Geburt gelten, können nicht mehr mit Nachdruck vom Kaiserschnitt abraten. Die steigende Zahl der Klagen hat zu einer Erhöhung ihrer Berufsversicherungssummen geführt und ihren Beruf fast unrentabel gemacht. Ähnlich ergeht es den Ärzten. Nur beim Kaiserschnitt können sich die Mediziner noch schützen. Der Blick über den grünen Vorhang ist aus \"versicherungstechnischen Gründen\" streng verboten. Werdende Väter oder Begleitpersonen, die doch einen Blick riskieren werden, zur Not mit Gewalt, unverzüglich aus dem OP entfernt.